Das Parosphromenus Project — Von Peter Finke, nov. 2018

Das Parosphromenus-​Project

Der Begrün­der des Pro­jekts erzählt, wie es dazu kam, was es bedeutet und warum sein Erfolg nicht sicher ist

Von Peter L. W. Finke

Der erste und berühmteste Pracht­gu­rami, Parosphromenus deiss­neri, der noch 2016 für aus­gestor­ben gehal­ten wurde, ist durch den chi­ne­sis­chen Biolo­gen Went­ian Shi in einer kleinen, bisher unbekan­nten Pop­u­la­tion wieder­ent­deckt wor­den. Er hat die Geschichte dieser müh­samen Wieder­ent­deck­ung mit vie­len Fotos erst­mals auf der Home­page des Parosphromenus-​Projekts (www​.parosphromenus​-project​.org) beschrieben. Für unsere Zeitschrift hat er exk­lu­siv eine Kurz­fas­sung geschrieben. Wir haben aus diesem Anlass den Begrün­der des Pro­jekts, Prof. Dr. Peter Finke (Deutsch­land), der es bis heute leitet, gebeten, zu erzählen, wie es zu diesem ungewöhn­lichen Pro­jekt kam, was seine Struk­tur ist und wie er seine Zukunft einschätzt.

Für Went­ian Shi

  1. Pri­vate und beru­fliche Vorgeschichte

Das Parosphromenus-​Projekt hat eine lange Vorgeschichte. Ich habe mich von Kindes­beinen an für Natur, ins­beson­dere für Vögel, Amphi­bien und Fis­che beson­ders inter­essiert, aber dies bewusst nicht zum Anlass genom­men, Biolo­gie zu studieren. Der Grund war, dass später noch andere, abstrak­tere, ohne formelles Studium kaum auto­di­dak­tisch zu bewälti­gende Inter­essen dazuka­men (Philoso­phie, Sprachen, Kul­tur). Ich wurde deshalb ein pro­fes­sioneller Wis­senschafts– und Kul­tur­forscher mit einem Lehrstuhl für Wis­senschaft­s­the­o­rie, aber ich habe zeitlebens auch als engagierter Ama­teur auf mehreren Gebi­eten (ins­beson­dere Zeit­geschichte, Naturschutz, Wirtschaft­s­the­o­rie und in der Aquar­is­tik) ehre­namtlich gearbeitet.

Mein pri­vates Inter­esse an Vögeln und Fis­chen lief neben meiner beru­flichen Kar­riere weiter; ich hatte z.B. immer Aquar­ien mit Labyrinth­fis­chen. Beson­ders faszinierten mich die Knur­ren­den Guramis der Gat­tung Tri­chop­sis; nach­dem ich ihn frühzeitig ken­nen gel­ernt hatte, hing ich immer an den Lip­pen von Diet­rich Schaller, der aus seiner Kind­heit in Thai­land eine unglaubliche Orts– und Sachken­nt­nis mit­ge­bracht hatte. Als Schüler war ich bere­its Mit­glied des „Bun­des für Vogelschutz“ (heute NABU) und lernte dadurch ökol­o­gis­ches Denken und Naturschutz ken­nen. Als Stu­dent wurde ich dann das sech­ste Mit­glied der deutschen Labyrinth­fis­chvere­ini­gung IGL, deren beab­sichtigte, wenn auch nur unzure­ichend ver­wirk­lichte Inter­na­tion­al­ität mir gefiel, und bald schon hielt ich dort auch Vorträge über Aquar­is­tik und Naturschutz, was damals noch unge­wohnt war.

Mitte der siebziger Jahre habe ich dann in Berlin den Ton­meis­ter Horst Linke und in München den Arzt Dr. Wal­ter Foer­sch ken­nen­gel­ernt. Ersterer schenkte mir sechs wun­der­bare Tri­chop­sis schal­leri, und let­zterer wurde der Begrün­der der ern­sthaften Ama­teur­forschung an Pracht­gu­ramis. Von ihm erhielt ich die ersten Fis­che der Gat­tung Parosphromenus. Wir waren von diesen Fis­chen, die alle fälschlich für P. deiss­neri hiel­ten (lange Zeit fast die einzige bekan­nte Art der Gat­tung) schnell begeis­tert. Foer­sch begab sich anschließend zusam­men mit eini­gen anderen Pio­nieren wie Linke und Schaller nach Südostasien, ent­deckte einige Vorkom­men und dort neue Parosphromenus– und Betta–Arten. Die Zer­störung ihrer Leben­sräume in Südostasien hatte zwar schon begonnen, war aber um diese Zeit noch kein großes Thema. Ich habe aber nie einen Satz vergessen, den Foer­sch damals zu mir sagte: Diese Fis­che sind so inter­es­sant, dass man ihnen ein eigenes Pro­jekt wid­men müsste. Erst mehr als drei Jahrzehnte später kam es dazu. Aber nur wenn man diesen Satz kennt, ver­steht man, warum es nicht um einen neuen Verein oder eine andere Insti­tu­tion geht, son­dern um ein Pro­jekt, also einen Prozess.

Denn zunächst forderte mein Beruf mit Macht viel Zeit für sich ein; ich wurde pro­moviert und habil­i­tiert, Pro­fes­sor für Wis­senschaft­s­the­o­rie, Dekan meiner Fakultät und voll einge­bun­den in die akademis­chen Struk­turen. In den neun­ziger Jahren freute ich mich riesig, als ich einige für mich neue Arten bekam, P. palu­di­cola, P. fil­a­men­to­sus und P. nagyi, aber für mehr war damals weder Raum noch Zeit. Ich lernte u.a. mit Bernd Bus­sler, Gün­ter Kopic, Nor­bert Neuge­bauer und schließlich Mar­tin Hall­mann beson­ders engagierte und fähige Ken­ner und Züchter dieser Fis­che kennen.

  1. Entschei­dende Ereignisse

1995 wurde ich dann von amerikanis­chen und europäis­chen Kol­le­gen dafür gewon­nen, bei einem großen, auf zehn Jahre bis 2005 geplanten inter­na­tionalen Forschung­spro­jekt mitzu­machen, an dem Uni­ver­sitäten aus vier Län­dern beteiligt waren (USA, Japan, Eng­land und Deutsch­land). Bei ihm sollte es darum gehen, Indi­ca­tors of Cul­tural Change by Econ­o­miza­tion and Glob­al­iza­tion (ICC, so der Titel des Pro­jekts) aufzufinden. Meine Auf­gabe war es im Rah­men des ICC zu beschreiben, wie die all­ge­meine Ökonomisierung des Denkens und Han­delns und die immer auf­fäl­ligere Glob­al­isierung am Ende des Zwanzig­sten Jahrhun­derts speziell die Wis­senschaft verän­derte. Dies habe ich in den fol­gen­den Jahren getan und es sind einige Veröf­fentlichun­gen und Bücher daraus ent­standen. Fis­che und Aquar­is­tik spiel­ten bei diesen Forschun­gen zunächst über­haupt keine Rolle.

Doch um die Jahrtausendwende herum gescha­hen drei wichtige Dinge: 1. Das Inter­net wuchs in weni­gen Jahren zunächst für Wis­senschaftler, bald aber noch viel mehr für die Wirtschaft, zu einer alles verän­dern­den Größe an. Dies verän­derte auch meine Arbeit und mein Leben. 2. Die Nachrichten aus Südostasien wur­den drama­tis­cher, denn der Urwald wurde dort immer schneller und rück­sicht­sloser abge­holzt, um Ack­er­land zu schaf­fen. Die Aufmerk­samkeit des inter­na­tionalen Naturschutzes beschränkte sich aber (wie zumeist auch heute noch) auss­chließlich auf das Schick­sal des Orang Utan. Schließlich – und das war das Entschei­dende – stellte mir 3. ein amerikanis­cher Kol­lege aus dem ICC-​Projekt, der von meiner Aquaren­lieb­haberei wusste, eine ganz wichtige Frage. Sie lautete: Gehören nicht Lieb­habereien und Hob­bys auch zur Kul­tur? Die haben wir bisher unbeachtet gelassen. Hast du nicht erzählt, dass du Aquar­i­aner bist? Wie haben sich Ökonomisierung und Glob­al­isierung eigentlich auf das Aquar­ien­hobby ausgewirkt?

Das war die Wende. Ich merkte, dass es meine Auf­gabe war, unter Benutzung des Inter­nets etwas aufzubauen, was neu war: ein weltweites Net­zw­erk gegen die immer weit­er­fortschre­i­t­ende Kom­merzial­isierung der Aquar­is­tik und speziell gegen die Ver­nich­tung der Bio­di­ver­sität in Malaysia und Indone­sien, wo man immer größere nasse und feuchte Tieflandge­bi­ete und Urwald­moore trocken legte, die Hauptleben­sräume der Pracht­gu­ramis, damit dort riesige Agrar­fab­riken, näm­lich Plan­ta­gen für Ölpal­men entste­hen kon­nten. Auch vie­len kleinen Urwald­völk­ern wurde, ohne dass sie gefragt wur­den, ihre Heimat über dem Kopf abge­holzt. Da wurde mir schla­gar­tig klar, was es ist, das ich ver­wirk­lichen musste, wenn ich die Aquar­is­tik verän­dern wollte. Die Devise lautete: Her­aus aus der Wohn­stube, hinein in die wirk­liche Welt hin­ter den schö­nen Aquar­ien, also dor­thin, wo das große Ster­ben stat­tfindet. Vor dem Inter­net­zeital­ter war dies unmöglich gewe­sen. Erst das Inter­net hat die Real­isierung der neuen Vision möglich gemacht.

  1. Die Struk­tur des Parosphromenus-​Projects

Der Anfang war noch unzure­ichend gewe­sen. Der deutsche Aquar­ien­ver­band VDA hatte mich bere­its 1982 ein­ge­laden, auf seiner Haupt­ta­gung einen Vor­trag zu hal­ten. Ich wählte den Titel „Für eine andere Aquar­is­tik“ und erre­ichte, dass alle Ver­ant­wortlichen sich eine sehr kri­tis­che Analyse der Lage anhören mussten. Das Resul­tat war, das ich hin­fort als per­sona non grata galt. Ich baute daher im Rah­men der IGL, deren Vizepräsi­dent ich mit­tler­weile war (später wurde ich auch kurzzeitig Präsi­dent), zusam­men mit Mar­tin Hall­mann eine Prachtgurami-​Arbeitsgemeinschaft auf, der bald alle wichti­gen Sachken­ner ange­hörten. Immer­hin wur­den hier die Grund­la­gen des Buches gelegt, das wir beide Jahre später gemein­sam als bisher einzige Mono­grafie über die Pracht­gu­ramis veröf­fentlichten (Peter Finke/​Martin Hall­mann: Pracht­gu­ramis. Juwe­len des Urwalds in der Natur und im Aquar­ium. Rodgau: Aqualog-​Verlag 2013). Aber die „Inter­na­tion­al­ität“ dieses Vere­ins war völ­lig unzure­ichend, man sprach auss­chließlich Deutsch und hielt sich in Verken­nung der wirk­lichen Lage für den Mit­telpunkt der Labyrinth­fis­chwelt. Zudem gab es stre­it­süchtige Stören­friede, die erst Jahre später durch Hall­mann aus der Vere­ini­gung aus­geschlossen wer­den kon­nten. Meine Bemühun­gen um eine kri­tis­cher mit der Kom­merzial­isierung des Hob­bys umge­hende Aquar­is­tik wur­den von ihnen boykot­tiert und ich ver­ließ die IGL. Schon vor mir waren Horst Linke und andere aus­ge­treten. (Aus heutiger Sicht ist vieles dort besser gewor­den. Dies ist haupt­säch­lich ein Ver­di­enst des jet­zi­gen Präsi­den­ten Mar­tin Hall­mann). Zum Glück gab es in Deutsch­land noch eine zweite Labyrinth­fis­chvere­ini­gung, den EAC/​AKL, wohin sich viele der Ent­täuschten flüchteten.

Zunächst musste ich gegen Ende meiner beru­flichen Lauf­bahn aber noch einen per­sön­lichen zeitrauben­den Kampf gegen die Poli­tik führen, die in Europa von den Wis­senschaftlern ver­langte, ihre Uni­ver­sitäten ein­heitlich nach dem Bachelor-​Master-​Prinzip umzubauen. Dies war für mich unvere­in­bar mit dem deutschen Ver­fas­sungs­grund­satz § 5, der die Frei­heit der Wis­senschaft sicherte. Man ver­suchte, mich durch ein Diszi­pli­narver­fahren mund­tot zu machen, aber ich ver­langte meine vorzeit­ige Ent­las­sung in den Ruh­e­s­tand, die dies ver­hin­derte. Es war den­noch eine schwierige Phase, die meine Kräfte ern­sthaft herausforderte.

Erst nach­dem diese Belas­tung über­standen war hatte ich Zeit, mich um meine Vision eines „Parosphromenus-​Projektes“ (PP) zu küm­mern. Entschei­dend hier­für war, dass ich Helene Schoubye aus Kopen­hagen traf, eine engagierte und mutige Frau, die sich gle­ich für die „Paros“ begeis­terte und sich nicht scheute, trotz damals erst anfänglicher Erfahrung die Pro­gram­mierung einer Web­site in Angriff zu nehmen, die alles Notwendige enthal­ten sollte, das wir brauchten. Es gab drei Forderun­gen: Sie sollte die grundle­gen­den Sachken­nt­nisse über diese Fis­che in der Natur und im Aquar­ium ver­mit­teln, dies dreis­prachig tun (Englisch, Franzö­sisch und Deutsch) und neben einem uni­versellen auch noch drei regionale Diskus­sions­foren enthal­ten (Asien, Amerika und Europa). Noch heute ist Helene Web­mas­terin unseres Projektes.

Es stand für mich nie infrage, dass unser PP eine Struk­tur haben müsste, die es ges­tat­tete, in ihm fünf Ziele zu verfolgen:

  1. Andere Aquar­is­tik: Das all­ge­me­in­ste Ziel ist der Umbau der Aquar­is­tik von einem zunehmend kom­merzial­isierten Hobby zu einem ern­sthaften Player im inter­na­tionalen Naturschutz, exem­plar­isch vorge­führt und ver­wirk­licht am Beispiel der Pracht­gu­ramis. Statt der ökonomis­chen Inter­essen der Hob­byin­dus­trie sollen wieder die Inter­essen der Natur und ihrer Lieb­haber die Aquar­is­tik bes­tim­men. Das PP muss hier­für eine geeignete Führungsebene bekom­men, z.B. eine geeignete Lenkungs­gruppe (s.u.).
  2. Ethik und Poli­tik: Zu diesem Zweck muss sich die neue Aquar­is­tik von einem unpoli­tis­chen Wohnz­im­mer­hobby der reichen Län­der wan­deln und eine poli­tis­che Rolle spie­len, indem sie ihre Mitver­ant­wor­tung für die Zer­störung erkennt, die auf der Erde geschieht. Im Falle der Pracht­gu­ramis heißt dies, sich aktiv gegen die Inter­es­sen­ge­flechte aus Geschäft und Kor­rup­tion zu stellen, die die Ver­nich­tung der natür­lichen und kul­turellen Diver­sität in Südostasien vorantreiben und ein Konzept für eine nach­haltige regionale Entwick­lung auszuar­beiten ( s. das erwäh­nte Buch, S. 4041).
  3. Erhal­tung von Leben­sräu­men: Das PP sollte sich nicht mit der Aquar­ien­per­spek­tive zufrieden geben, son­dern zur tat­säch­lichen Erhal­tung wenig­stens eines Teils der einzi­gar­ti­gen Schwarzwasser­leben­sräume führen. Der Gedanke einiger Träumer, man könne solche neu schaf­fen und dort in Gefan­gen­schaft gezüchtete Paros „auswildern“, ist aus mehreren Grün­den fach­lich völ­lig naiv und unsin­nig; Fließgewässer auf Moor­bö­den sind nicht kün­stlich erset­zbar. Angesichts des Tem­pos und Aus­maßes der dor­ti­gen Urwaldz­er­störung kann man nur Reste erhal­ten ver­suchen; es ist ein fast nicht gewinnbares Wet­tren­nen gegen über­mächtige Geg­ner in schnell ver­rin­nen­der Zeit.
  4. Men­schen und Kul­turen: Das PP ist ein aquar­is­tis­ches Pro­jekt, aber es sollte nicht vergessen, dass die Urwaldz­er­störung nicht nur Bio­di­ver­sität, son­dern auch Leben­sräume von Men­schen und ganzen indi­ge­nen Kul­turen ver­nichtet. Es wäre inakzept­abel, sich um kleine Fis­che zu sor­gen, aber um die dort leben­den Men­schen nicht. Das Gebiet, um das es geht, ist zum Beispiel eine der sprachen­re­ich­sten Regio­nen der Erde. Das PP sollte auch den wach­senden Wider­stand der Völker der Dayak gegen das ihnen zuge­fügte Unrecht unter­stützen, denn ohne sie wird es let­ztlich keinen Erfolg haben können.
  5. Erhal­tung der Aquar­ienbestände: Das am ehesten erre­ich­bare Ziel ist die Erhal­tung der vorhan­de­nen Aquar­ienbestände, aber auch dies setzt effiziente Maß­nah­men voraus, die erst ein­mal etabliert wer­den müssen, weil sie nicht zum üblichen Ver­hal­tensreper­toire der Aquar­i­aner gehören (z.B. eine geeignete Kom­mu­nika­tion­sebene, ein regelmäßiger Zen­sus und eine funk­tion­ierende Dis­tri­b­u­tion, also eine sin­nvolle Verteilung der Nachzuchten). Dies allein einzurichten ist schwierig, aber doch wahrschein­lich leichter erre­ich­bar als die vor­ge­nan­nten Ziele. Hier schließt sich der Kreis hin zum erst­ge­nan­nten Ziel.

  1. Der sta­tus quo

Was haben wir hier­von erre­icht und was nicht? Wo steht das PP heute? Die all­ge­me­in­ste Antwort lautet: Keines dieser Ziele wurde bis­lang erre­icht; wir sind bei allen auf dem Wege. Am rel­a­tiv besten sieht es beim let­zt­ge­nan­nten Ziel aus, am rel­a­tiv schlecht­esten bei den erst­ge­nan­nten. Aber auch beim let­zten Ziel gibt es noch große Prob­leme, beim Ziel der Erhal­tung der Leben­sräume gibt es die wenig­sten greif­baren Erfolge. Einige Details:

Wir haben auf allen fünf Kon­ti­nen­ten in 39 Staaten der Erde unge­fähr 500 Per­so­nen gefun­den, die beson­dere Parofre­unde und –ken­ner sind. Jährlich kom­men mehr hinzu, aber nicht mehr so schnell wie in der Anfangszeit. Die Größenord­nung der für das PP wichti­gen Per­so­nen liegt defin­i­tiv deut­lich unter 1000 weltweit. Die Inten­sität der Nutzung der PP-​Website schwankt, am deut­lich­sten ist dies in den Foren sicht­bar: Das wichtige Asien­fo­rum ist bis heute nicht so recht in die Gänge gekom­men, das Amerikafo­rum hat zu einer erkennbaren Bele­bung der Paroszene in den USA geführt, das Europafo­rum schart sich nach wie vor um den Paro-​Schwerpunkt Ger­many. Das lebendig­ste Forum ist das Uni­ver­sal­fo­rum, was darauf hin­deutet, dass die all­ge­meine Zielset­zung des PP zwar ver­standen und unter­stützt wird, aber sich bei vie­len doch auf die Hob­byper­spek­tive (par­tieller Men­tal­itätswan­del, Erhal­tungszuchten) beschränkt. Das ist nicht wenig, wenn man die Aus­gangssi­t­u­a­tion sieht.

Wir ler­nen aber auch hinzu. Aktuell bemühen wir uns zum Beispiel darum, die rein ehre­namtliche Arbeit mit eini­gen insti­tu­tionellen Verbindun­gen zu unter­stützen, damit zum Beispiel die Erhal­tung durch Nachzucht auch durch eine pro­fes­sionelle Kom­po­nente ver­stärkt wird und die Lieb­haberzüchter ent­lastet. Dies soll auch die Dis­tri­b­u­tion der Nachzuchten zu verbessern helfen. Aber wer­den wir das schaf­fen? Erste Erfolge gibt es.

Ermü­dungser­schei­n­un­gen gibt es freilich auch (wen wun­dert es?), z.B. bei der Beteili­gung am Zen­sus; hier­für haben wir noch keine Abhilfe gefun­den. Pos­i­tiv hat sich der Wider­stand der betrof­fe­nen Men­schen in Asien entwick­elt, was den Fort­gang der Zer­störun­gen etwas bremst, aber noch keineswegs gestoppt hat. Dies ist kaum ein Ver­di­enst des PP, hilft aber der gemein­samen Sache. Es soll jedoch nicht ver­schwiegen wer­den, dass wir auch ermuti­gende, unter­stützende Briefe an betrof­fene indi­gene Grup­pen schreiben und gele­gentlich auch bere­its sehr dankbare Antworten bekom­men haben. Viele Veröf­fentlichun­gen neben dem PP vor allem in Europa helfen uns eben­falls, unsere all­ge­meinen und stärk­eren Ziele weiter bekannt zu machen und die Bewusst­seins­grund­lage für die angestrebten Wand­lung­sprozesse zu stärken. So ist es z.B. gut, dass unser chi­ne­sis­ches Lenkungs­grup­pen­mit­glied Went­ian Shi seine Expe­di­tio­nen und die Wieder­ent­deck­ung der erst­beschriebe­nen Art aus­drück­lich in den Zusam­men­hang dieses PP stellt und damit weltweit, aber nicht zuletzt auch in Ostasien auf seine Bedeu­tung hinweist.

Noch kann man daher nicht abschließend sagen, ob das PP ein Erfolg ist, denn das Pro­jekt ist ja nicht abgeschlossen. Als Beteiligter kann ich dies auch nicht gut beurteilen, das müssen andere tun. Ich freue mich sehr darüber, dass viele das Pro­jekt für erfol­gre­ich hal­ten, glaube aber, dass wir mit diesem Urteil warten müssen. Die Hauptziele des Pro­jekts kann man nicht allein in Europa oder Amerika und auch nicht im Inter­net erre­ichen; über sie wird in Asien entsch­ieden. Es kön­nte sein, dass wir dort nur wenig ret­ten. Nur: je größer die Ziele, desto schwieriger sind sie erre­ich­bar. Wenn man sich aber aus Angst, Teile davon zu ver­fehlen, gar keine großen Ziele setzt, erre­icht man mit Sicher­heit gar nichts. Und man braucht auch Teil­er­folge, gute Zwis­chen­re­sul­tate, auch in kleineren Din­gen. Die gibt es.

Die Risiken, die noch vor uns liegen, sind unverkennbar. Das Wet­tren­nen gegen Macht und Zeit ist noch nicht been­det. Aber noch gibt es etwas zu ret­ten. Ein Mit­tel, das wir uns haben ein­fallen lassen, ist der Parosphromenus-​Award, ein Preis, den wir bis­lang dreimal an Per­so­nen vergeben haben, die her­aus­ra­gende Leis­tun­gen für die Ziel unseres Pro­jek­tes erbracht haben. Went­ian Shi war der bisher let­zte Preisträger. Wir sind z.B. entschlossen, auch für Asien neue Meth­o­den anzuwen­den (z.B. Land­kauf), wenn sich Gele­gen­heiten bieten. Zum Glück wird auch dort die Naturschutzszene langsam stärker. All das ist nicht ein­fach. Aber wir hat­ten nie die Illu­sion, dass es ein ein­facher Gang würde. Wer sich im europäis­chen Naturschutz gestärkt hat, sieht jetzt, dass er auf inter­na­tionaler Ebene diese Stärke gut gebrauchen kann. Sie beschert uns viel Zus­pruch und Rück­en­wind. Deshalb wer­den wir weitermachen.

Wir, das ist die heutige Lenkungs­gruppe des PP, näm­lich (in alpha­betis­cher Rei­hen­folge): Bernd Bus­sler (Zucht/​Distribution), Pavel Chaloupka (Spezialar­tikel), Rafael Eggli (Analyse/​Reflexion), Peter Finke (Leitung/​Wissenschaft), Chris­t­ian Kop­pitz (Insti­tu­tio­nen), Helene Schoubye (stellv. Leitung und Web­mas­ter), Went­ian Shi (Expe­di­tio­nen), und Ben­jamin Wilden (Zensus).

Ich danke Helene Schoubye für einige kri­tis­che Kom­mentare zu einer ersten Fas­sung des Textes. Seine abschließende Gestalt, mögliche Fehler und andere Män­gel, sind auss­chließlich mir zuzurechnen.

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