suma­tranus

Parosphromenus suma­tranus P.sumatranus (photo C.Hinz)

Klause­witz 1955

Erst­beschrei­bung:See– und Süßwasser­fis­che von Suma­tra und Java. Senck­en­ber­giana Bio­log­ica, 36: 309323

Iden­ti­fika­tion­s­merk­male: Eine der rät­sel­haftesten Parosphromenus–Arten, denn sie scheint in zwei struk­turell ver­schiede­nen Vari­anten vorzukom­men, einer eher hochrück­i­gen Form („Nor­maltyp Pracht­gu­rami“) und einer deut­lich schlankeren, rel­a­tiv niedri­grück­i­gen Form („Typ Schlankpracht­gu­rami“, wie ornaticauda/​parvulus). Es ist unklar, ob diese Typen nur die End­punkte eines Kon­tin­u­ums darstellen oder sep­a­rate For­men bzw. Varietäten.

Gesamtlänge 3,5 cm. Flossen­formel: Dor­sale XI-​XII, 67, total 1719, Anale X-​XII, 810, total 2022. Das ♂ zeigt in bei­den Flossen hell­rote schmale Farb­bän­der und im hin­teren Teil der Rück­en­flosse einen artkennze­ich­nen­den run­den schwarzen Punkt, der beim ♀ bisweilen ver­waschen eben­falls zu sehen sein kann. Artkennze­ich­nend ist darüber hin­aus ein genau die Trennlinie zwis­chen Kör­per und After­flosse nachze­ich­nen­des schmales dun­kles Band, das in dieser Form anderen Pracht­gu­ramis fehlt. Die Cau­dale ist ein­far­big blass­rot bis schwarzrot geze­ich­net. Das ♂ weist außer­dem ein sehr kurzes, meist nur ca. 1 mm langes ein­strahliges Cau­dal­fil­a­ment auf, das das ♀ manch­mal in Ansätzen eben­falls zeigt.

Ver­wech­slungsrisiko:Bis zur Anerken­nung ihres eige­nen Art­sta­tus durch Kot­te­lat 2005 war, dem Zeitver­ständ­nis entsprechend, suma­tranus als eine Sub­species des ver­meintlich weit ver­bre­it­eten P. deiss­neri aufge­fasst wor­den. Die Art ist nach­fol­gend immer wieder fehlin­ter­pretiert und –beze­ich­net wor­den. Fak­tisch aber besteht über­haupt kein Ver­wech­slungsrisiko, ins­beson­dere wenn man das Ver­hal­ten ein­bezieht: Kopf-​nach-​oben-​Balz kommt neben dieser Art nur bei ornat­i­cauda und parvu­lus vor, mit denen suma­tranus wegen ihrer dem Prachtgurami-​Haupttyp entsprechen­den Flossen– und Kör­perze­ich­nung (Bän­der– und Streifen­muster) nicht ver­wech­selt wer­den kann. Aber auch bei reiner Phäno­typ­be­tra­ch­tung ist das Ver­wech­slungsrisiko ger­ing, weil die Art einige Eigen­tüm­lichkeiten der Zeich­nung besitzt, die für sie charak­ter­is­tisch sind (s.o.).

Vorkommen/​Verbreitung:Endemisch auf Suma­tra, Bezirk Jambi, u.a. bei Lei­bong Sep­baju und in den Flussys­te­men des Sun­gai Ayer Merah, Sun­gai Pijoan, Sun­gai Siak Kecil und Sun­gai Sentang.

Gefährdung: Im Detail nicht bekannt, aber wegen ihrer endemis­chen Ver­bre­itung und der all­ge­meinen Beein­träch­ti­gung, Störung und Zer­störung der Pracht­gu­ramibiotope auch auf Suma­tra muss suma­tranus wie die anderen Pracht­gu­ramis als stark gefährdet ange­se­hen werden.

Entdeckung/​Ersteinfuhr:Der Erst­beschreiber, der Frank­furter Ichthy­olo­ge­Wolf­gang Klause­witz, hat die Art als ver­meintliche Unter­art des ver­meintlichen „deiss­neri“ 1955 nach Tieren beschrieben, die er in einem Import vorge­fun­den hat.

Han­del: Sowohl hoch– als auch niedri­grück­ige suma­tranus sind immer wieder ein­mal im inter­na­tionalen Zier­fis­chhan­del aufge­taucht, auch in den let­zten Jahren. Sie wer­den aber oft nicht als solche erkannt, son­dern nicht sel­ten unter teil­weise irreführen­den, teil­weise aus Ver­mark­tungs­grün­den gewählten Han­del­sna­men ange­boten („deiss­neri“, „red line“, „fire red“, etc).

Haltung/​Zucht:Wie bei den anderen Pracht­gu­ramis. Die Art ist oft von auf­fäl­liger Scheu und scheint beson­ders ver­steckbedürftig zu sein, weshalb die Beck­e­nausstat­tung hier­auf Rück­sicht nehmen sollte. In geeigneten größeren Aquar­ien kann simul­tane Balz und Eiablage mehrerer Paare stat­tfinden, die auf eine gewisse Syn­chro­ni­sa­tion in zusam­men leben­den Grup­pen hin­deuten; K. Koomans berichtete über fünf Paare, die auf­fäl­lig zeit­gle­ich balzten und ablaichten.

Verhalten/​Besonderheiten:Kopf-​nach-​oben-​Balzer, sogar „überkippte“ Hal­tung kommt häu­fig vor. Dies ist die markan­teste Beson­der­heit der Art. Hinzu kommt eine auf­fal­l­end häu­fig beobachtete Scheu, die viele Ken­ner der Art beschreiben. – Wie das Phänomen der bei­den unter­schiedlichen Struk­tur­typen (s.o. unter „Iden­ti­fika­tion­s­merk­male“) aufgek­lärt wer­den kann, ist noch völ­lig offen. — Peter Finke hat an die Art eine beson­dere Hypothese zur Evo­lu­tion der Gat­tung geknüpft. Sie vere­int näm­lich als einzige Parosphromenus–Art in sich auf­fäl­lig Merk­male der bei­den großen Struk­tur– und Ver­hal­tenstypen der Pracht­gu­ramis („Nor­mal­gruppe“ vs. „ornaticauda-​parvulus-​Gruppe“): von der ersten die grundle­gende Kör­perze­ich­nung (Längs­bän­derung), sowie (im Prinzip) die Zeich­nung von Dor­sale und Anale mit Farb­bän­dern, von der let­zteren aber die schlanke Kör­per­form und vor allem das Ver­hal­tens­merk­mal des Kopf-​nach-​oben-​Balzens. Dies kön­nte so gedeutet wer­den, dass sich die bei­den heuti­gen Haupt­grup­pen aus einer alten, sumatranus-​ähnlichen Form aus­d­if­feren­ziert haben, indem die einen nur die erst­ge­nan­nten und die anderen nur die let­zt­ge­nan­nten Merk­male für sich über­nom­men haben. Es gibt bei ver­schiede­nen Pflanzen– und Tier­grup­pen mehrere Beispiele für eine solche evo­lu­tionäre Auf­s­pal­tung von ursprünglich gemein­sam vork­om­menden Merk­malen. Wenn es sich bei suma­tranus um einen weit­eren Fall dieser Art han­deln sollte, hät­ten wir eine beson­ders inter­es­sante Art vor uns, näm­lich den Nachkom­men eines Ur-​Prachtguramis.

Lit­er­atur (Auswahl):

W. Klause­witz 1955: Parosphromenus deiss­neri – zum ersten Mal in Deutsch­land. DATZ 10: 257 f.

Weblinks:

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